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Technik
Aktualisiert: 13. Jan. 2026

Bias-Erkennung

Der Prozess, unfairen oder diskriminierenden Muster in KI-Ausgaben oder Trainingsdaten zu identifizieren und zu messen.

Begriffserklärung

Bias-Erkennung umfasst Methoden und Werkzeuge, um unfaire oder diskriminierende Muster in KI-Systemen zu identifizieren, zu messen und zu überwachen. Bias wird oft primär als Datenproblem diskutiert, doch wirksame Bias-Erkennung muss mehrere Quellen abdecken: historische Bias in Datensätzen, Messbias in der Feature-Erhebung, algorithmische Bias durch Modell-Designentscheidungen und Deployment-Bias, der im Zusammenspiel mit realen Populationen entsteht. Bias-Erkennung ist kein einmaliger Pre-Launch-Schritt, sondern eine fortlaufende operative Anforderung über den gesamten Systemlebenszyklus.

Der EU AI Act verlangt von Anbietern von Hochrisiko-KI-Systemen geeignete Daten-Governance-Praktiken, einschließlich der Prüfung möglicher Bias (Artikel 10). Risikomanagementpflichten (Artikel 9) verlangen, Risiken in Bezug auf Grundrechte zu identifizieren, was diskriminierende Ergebnisse direkt umfasst. Für Betreiber, die KI in Kontexten mit Anforderungen an eine Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA) einsetzen, wird Bias-Monitoring noch kritischer. Über reine Compliance hinaus kann Bias in Hochrisiko-KI (Kreditscoring, Hiring, Versicherungspreise) erhebliche Haftungsrisiken, Reputationsschäden und konkrete Schäden für Betroffene verursachen.

Es gibt mehrere Bias-Arten. Statistischer Bias liegt vor, wenn Vorhersagen für bestimmte Gruppen systematisch von den wahren Werten abweichen, oft gemessen über Metriken wie demographic parity oder equalized odds. Repräsentationsbias entsteht, wenn Trainingsdaten bestimmte Populationen unterrepräsentieren oder falsch abbilden, was Performance für diese Gruppen verschlechtert. Messbias tritt auf, wenn Features oder Labels für unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Phänomene erfassen, etwa wenn Arrest Records als Proxy für kriminelles Verhalten dienen. Historischer Bias spiegelt gesellschaftliche Ungleichheiten in Daten wider, die eine verzerrte Realität korrekt abbilden, zum Beispiel Gender-Ungleichgewichte in historischen Einstellungsentscheidungen. Aggregationsbias entsteht, wenn ein einzelnes Modell auf Gruppen mit unterschiedlichen Verteilungen angewendet wird, die besser mit getrennten Modellen bedient wären.

Implementieren Sie Bias-Erkennung in mehreren Phasen: Datenaufbereitung, Training, Pre-Deployment-Tests und laufendes Produktionsmonitoring. Definieren Sie Fairness-Metriken passend zu Use Case und relevanten geschützten Merkmalen. Dokumentieren Sie Methodik, Ergebnisse und Remediation als Teil der technischen Dokumentation nach Anhang IV. Und: unterscheiden Sie One-time Testing von kontinuierlichem Monitoring; Bias kann entstehen oder sich verschieben, wenn sich Populationsverteilungen über die Zeit ändern. Legen Sie Schwellen fest, die bei Überschreitung Review und Remediation auslösen.